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Fallstudie – Zwei randomisierte Übungsmethoden in der Sportart Golf

Zwei randomisierte Übungsmethoden in der Sportart Golf und deren Auswirkungen auf die Schlag- und Spielkompetenz

Golf ist ein Spiel mit verschiedenen komplexen Aufgaben. Neben wechselnden äußeren Bedingungen auf die sich der Golfspieler einstellen muss, ist ein breites Repertoire an Bewegungsfertigkeiten für die Lösungen der Aufgabenstellungen erforderlich. Dafür müssen die notwendigen Bewegungen durch Üben erlernt und weiterentwickelt werden. Die Formen von Motorischem Lernen zur Optimierung des Lernprozesses sind dabei von großer Bedeutung. Klassisches Golftraining findet im Amateur sowie Profibereich zu einem großen Teil auf der Driving Range und den Übungsanlagen statt. Die dort herrschenden standardisierten Bedingungen lassen sich nicht mit den Bedingungen auf dem Golfplatz vergleichen. Eine Vielzahl an meist gleichartigen Wiederholungen gilt für viele Golfspieler als Voraussetzung für Verbesserungen der Bewegungsfertigkeiten.

Unterschiedliche Ansätze und Theorien wie die Schematheorie nach Schmidt aus dem Jahre 1979 oder Kontext-Interferenz-Effekte besagen, dass randomisierte Übungs­formen zu größeren Lernerfolgen führen als geblocktes Üben. In den meisten Studien werden daher geblockte und randomisierte Übungsmethoden miteinander verglichen.

Der Forschungsstand zum Thema Bewegungslernen im Golfsport ist gering und Erkenntnisse für eine effektivere Gestaltung von Golftraining sind für den Golfsport von Bedeutung. Anhand einer empirischen Längsschnittstudie werden randomisierte Übungsformen unterschiedlicher Ausprägung miteinander verglichen. Die Erkenntnisse sollen Hinweise für eine moderne Übungsgestaltung im Golfsport liefern und klassische Golf Trainingsmethoden gegebenenfalls überarbeiten.

Ziel der Studie ist es die Wirkungsweise von zwei variablen Übungsformen auf die Schlag- und Spielkompetenz darzustellen. Im Detail wird bei der Untersuchung ein ausschließliches Üben auf dem Golfplatz mit einem randomisierten Üben auf den Übungsanlagen analysiert und miteinander verglichen. Dabei steht das variable Üben von vorhandenen Bewegungsfertigkeiten im Vordergrund ohne Technikkorrekturen. Eine Kontrollgruppe ohne Intervention dient der Erkenntnisgewinnung über Spiel- und Übungsgewohnheiten.

Das Studiendesign mit zwei Messzeitpunkten beinhaltet eine Schlag­analyse mit Datenerfassung mittels eines Trackmans und eine Rundenanalyse einer 9-Loch Runde. Bei den abhängigen Variablen Schlagdistanz, Genauigkeit und der Daten aus der Rundenanalyse sollen sich die Wirkungen der unabhängigen Variable durch die Gruppenaufteilungen in zwei Interventionsgruppen und eine Kontrollgruppe zeigen. Die Kontrollvariablen stellen das Geschlecht, das Alter, das Handicap und die Golferfahrung dar. Das durchschnittliche Handicap lag bei -28,8 und der Mittelwert bei der Golferfahrung betrug 3,6 Jahre.

Die Probanden der Platz-Gruppe durften in den neun Wochen der Intervention ausschließlich auf dem Golfplatz (inkl. Kurzplatz) spielen und trainieren und erhielten dafür auch spezielle Aufgabenblätter. Somit war ein variables Üben mit wechselnden Aufgaben auf dem Platz gewährleistet. Die Probanden der Range-Gruppe erhielten ein variables Trainingsprogramm für die Driving Range und durften selbstständig auch auf den Golfplatz spielen.

Die Teilnehmer der Gesamtstichprobe investierten durchschnittlich knapp acht Stunden pro Woche in ihr Golfspiel ohne signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Darin enthalten sind durchschnittlich sechseinhalb Stunden auf dem Golfplatz. Es sind Handicap Verbesserungen in allen Gruppen gleichmäßig ermittelt worden, allerdings war keine Gruppe der anderen überlegen. Gleiches gilt für den Faktor Konstanz beim abschließenden Schlagtest.

Die Ergebnisse besagen weiterhin, dass die Platz-Gruppe in keinem Faktor einer anderen Gruppe unterlegen ist. So hat die Platz-Gruppe in der gleichen zeitlichen Verteilung mit weniger geschlagenen Bällen und ohne Übungszeit auf der Range/Übungsanlagen das gleiche Ergebnis erzielt wie die anderen Gruppen. Im Tagebuch wurde die genaue Anzahl an geschlagenen Bällen nicht aufgeführt, welches eine Limitation darstellt, da man nicht eindeutig nachvollziehen kann, wie viel weniger Bälle in der Platz-Gruppe im Interventionszeitraum gespielt worden sind.

Anhand dieser Fallstudie lässt sich behaupten, dass auch ausschließliches Üben und Spielen auf dem Golfplatz ausreichen um Leistungsverbesserungen zu erzielen. Es gilt zu diskutieren inwieweit in Folgestudien der Testparameter Abschlag aufgenommen werden sollte. Eine weiterführende Befragung und Analyse der Motivation und des Spaßfaktors bei den beiden Interventionsgruppen wäre eine sinnvolle Ergänzung um dort mögliche Unterschiede zu ermitteln, die für ein Üben mit randomisierten Aufgaben sprechen.

 

 

Quellen:

Hanna Baum-Proske, 2015

Fallstudie: Zwei randomisierte Übungsmethoden in der Sportart Golf und deren Auswirkungen auf die Schlag- und Spielkompetenz